Es klappert die Mühle an einer Au

Was macht die Wanderung aus, was ist das Besondere?

 

Das Kirchdorf Hanerau-Hademarschen liegt an der Kreuzung der einst bedeutenden mittelalterlichen Handelswege, dem Ochsenweg von Nord nach Süd und der Lübschen Trade von West nach Ost bis Lübeck. Die Region bietet für den Wanderer zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die auch einen Einblick in das Leben des Dichters Theodor Storm ermöglichen. Von der Wassermühle an der Haner Au steigen wir auf die Höhen der Geest und hinab in das weit ausladende Tal der Au, umkränzt von Wäldern

Wegbeschreibung

 

„Mein Haus steht auf dem Lande, in einer holzreichen Gegend zwischen einem Kirchdorf und einem kleinen, in breiten Kastanien-Alleen fast vergrabenen Orte, welcher allmählich um einen Gutshof aufgewachsen ist, von beiden kaum zehn Minuten fern. Fast täglich mache ich nach rechts oder links meinen Spaziergang, und im Frühling und Sommer ergötzt mich dann das Leben, das hier aus den Bauerngehöften, im Orte aus den kleinen Häusern der dort wohnenden Handwerker oder Handelsleute auf den Weg oder in die Vorgärten hinaus dringt; ...“ So beschreibt Theodor Storm in seiner Novelle „John Riew“ die Situation im Kirchdorf Hademarschen und im Gutsdorf Hanerau. Vom Bahnhof Hademarschen an der 1877 in Betrieb genommenen Eisenbahnlinie Neumünster – Heide überqueren wir die Gleise und gelangen über einen Wiesenweg zum Alten Landweg, der Wegführung der mittelalterlichen Lübschen Trade folgend, einem bedeutenden Handelsweg von Dithmarschen nach Lübeck, der auf manchen Wegstrecken im Naturpark Aukrug noch erahnen lässt, wie mühselig die Passage auf diesem Weg gewesen sein muss. Auf dem Alten Landweg wandern wir nach links, in Richtung Osten, biegen dann nach etwa 500 m rechts ab in den Batzer Weg, dem wir bis Batz mit seinem Reiterhof und Schwimmbad folgen. Den Reiterhof lassen wir links liegen, ein reizvoller Waldweg nimmt uns auf, der dann am Waldrand entlang führt und die Sicht auf weite Ackerflächen freigibt. Flintsteine, die schon in der Steinzeit hier Verwendung fanden, große und kleinere Steine zeugen als Hinterlassenschaften der mächtigen Gletscher der Saale-Eiszeit von den klimatischen Veränderungen der Vorzeit. Mit Glück finden wir einen Windkanter auf dem Feld, Zeuge der arktischen Klimabedingungen hier während der letzten Weichsel-Eiszeit. Am Ende des Waldrandes nehmen wir den Waldweg links ab in Richtung Lerchenfeld. Wir genießen den grandiosen Ausblick auf das Tal der Haner Au, das sich hier zwischen zwei Geestrücken durchzieht.  

Entlang der Waldkante in Richtung Norden geht es, bis ein Weg in den Wald hineinführt, vorbei an einem Gehöft und auf dem Weg Lerchenfeld weiter bis zum 

einsam und idyllisch gelegenen Waldfriedhof, nach Art der Herrnhuter Brüdergemeine durch den ehemaligen Gutsbesitzer Dr. Johann Mannhardt angelegt, der ab 1803 an der Alten Landstraße nach Hademarschen Manufakturen für Leinen-, Woll- und Baumwollverarbeitung gründete und dafür Facharbeiter aus seiner Heimat Württemberg holte. Die Stille und Abgeschiedenheit dieses Ortes haben Theodor Storm oft angezogen, hier konnte er sich seinen Gedanken hingeben: Edel lebe und schön ohne Hoffnung künftigen Seins und ohne Vergeltung, nur um der Schönheit des Lebens willen, Vom Waldfriedhof führt uns der Weg direkt auf das Gut Hanerau zu, wunderschön gelegen auf einer künstlichen Insel, umgeben vom Mühlenteich der aufgestauten Haner Au. Auch das Gut Hanerau hat eine wechselvolle Geschichte. Einst Grenzfeste im nahe gelegenen Ort Keller am Ochsenweg, dann auf zwei Inseln der Haner Au verlegt, wurde das ehemalige Herrenhaus 1784 abgebrochen und 1835 im spätklassizistischem Stil wiederaufgebaut.  Über dem von mächtigen Bäumen bestandenen Weg geht es zur Mannhardtstraße  (L 316), vorbei am „Mannhardtschen Knabeninstitut“, wo „Knaben Französisch und Englisch, sogar Latein und Griechisch lernen konnten“. Von  hier sind es auf der Landstraße nur noch 500 m bis zu der prächtigen, intakten Wassermühle, in deren Garten wir uns vergnügen und das leckere, selbst gebackene Brot aus eigener Mehlfertigung kosten.  

Von der Wassermühle führt die Wanderung ein Stück entlang der Landstraße mit Blick auf den großen Mühlensee, dann rechts ab in Richtung Oeverdiek, von diesem Weg mit herrlichem Blick auf das Autal. Nach 750 m an einer Wegbiegung nehmen wir den Weg links ab in den Wald, hinauf auf den 40 m hohen Voß-Berg, Reste der saaleeiszeitlichen Moränen. Zahlreiche Hügelgräber auf diesem Geestrücken belegen die frühe Besiedelung dieser Region. Den Wald verlassend nehmen wir den Weg gerade aus in Richtung Gokels, wo wir den aussichtsreichen Hügel besteigen, auf dem die Kirche steht, einst ein Platz, auf dem Pestkranke vergangener Jahrhunderte isoliert versorgt wurden. Gedankenvoll steigen wir von diesem „inspirierenden“ Ort hinab, queren die Landstraße und nutzen dann die Parallelstraße in Richtung Bahnhof Gokels. An der Landstraße nach Lütjenwestedt biegen wir links ab und nach wenigen  Metern hinunter auf den Feldweg in Richtung Bahnhof Gokels, von dem wir nach etwa 200 m links ab wandern, um in das weit ausladende Tal der Haner Au zu gelangen. Welche Schmelzwässer mögen dieses Tal einst geformt haben, wie viel Mühe haben Generationen von Bauern in die Trockenlegung der Sümpfe, Moore investiert?   

Der Weg führt über die Bahngleise, dann in die unendliche Weite der Niederung. Kiebitze torkeln auf, Lerchen schütteln hoch in den Lüften. Der Weg führt über die Haner Au in das Gehege Rehers, ein beliebtes Ausflugsziel von Theodor Storm: 

„Aber der hübsche Waldweg nach dem Rehers bleibt doch, das ist ein Weg zum Träumen und Dichten, wenn man noch träumen und dichten könnte“ (Storm an Sohn Ernst 1871). Am Waldrand nehmen wir den Weg rechts ab, der in das Gehölz mit Laub-  und Nadelgehölzen führt. Nach etwa 750 m stoßen wir auf einen Querweg, gehen links ab und gelangen nach 500 m Waldweg auf den Hofkoppelweg, der in Richtung Hademarschen führt. Vor Hademarschen nehmen wir den von Storm geliebten Blöckenweg, der nördlich seines Altersruhesitzes um Hademarschen direkt auf die St. Severinkirche zu führt. Auf dem Friedhof befinden sich die Gräber der Familie seines Bruders Johannes Storm, dessen Frau eine Schwester von Theodor Storms zweiter Frau Dorothea war. Über die Bahnhofstraße gelangen wir zum Bahnhof Hademarschen, dem Ausgangspunkt der Mühlen- und Storm-Wanderung.

Bundesland:    Schleswig–Holstein

 

Region:     Landkreis Rendsburg - Eckernförde      

 

AktivRegion Mittelholstein

 

Wegezuordnung:   keine   

 

Start- und Zielpunkt:  

Bahnhofstraße        

Bahnhof Hanerau-Hademarschen      

25557 Hanerau-Hademarschen   

 

Verkehrsanbindung Auto:

Von der A 7 am AK Rendsburg die Ausfahrt auf die A 210 in Richtung Westerrönfeld nehmen, dort auf die B 77 in Richtung Hohenwestedt. Nach dem Ort Legan auf die L 127 in Richtung Embühren fahren, in Gokels auf die L 316 nach Hanerau-Hademarschen.

 

Verkehrsanbindung ÖPNV:

Von Neumünster mit der Schleswig-Holstein-Bahn (SHB) in Richtung Büsum bis Bahnhof Hanerau-Hademarschen fahren .   

Rund- oder Streckenwanderung:  Rundwanderung

 

Länge:     14 km

 

Geschätzte Dauer:   4 – 5  Stunden   

 

Markierungszeichen:  keine  

 

Höhenunterschied:  

Tiefster Punkt:          6 m

Höchster Punkt:     37 m

 

Anforderungen:

steile Passagen:   nie

durchgehend kinderwagengerecht:    ja

barrierefrei: Sehenswürdigkeiten barrierefrei zugänglich  

 

Besonderer  Routencharakter:  

Naturwanderung      

Kulturwanderung  

 

Begehbarkeit:    ganzjährig   

 

Sehenswürdigkeiten:  

1.   Storm-Denkmal      

2.   Waldfriedhof der Herrnhuter Brüdergemeine      

3.   Gut Hanerau      

4.   Mannhardtsches Knabeninstitut      

5.   Wassermühle Hanerau      

6.   Gokels-Berg      

7.   Tal der Hanerau und Gehege Rehers      

8.   St. Severin Kirche zu Hademarschen   

 

Einkehrmöglichkeiten:  

Landgasthof Köhlbarg      

Kaiserstraße 33      

25557 Hanerau-Hademarschen      

Tel. 04872-3333      

info@koehlbarg.de      

www.koehlbarg.de      

Einkehr und Übernachtung      

 

Gut Hanerau      

25557 Hanerau-Hademarschen      

Tel. 04872-2291      

info@gut-hanerau.de      

www.gut-hanerau.de      

Einkehr und Übernachtung      

 

Heu-Herberge Beldorf      

Op de Krück 1      

25557 Beldorf      

Tel. 04872-695      

heuherberge-beldorf@online.de      

www.heuherberge-beldorf.de      

Übernachtung      

 

Ferienhof Sievers 

Wilhelmsberg 1      

25557 Hanerau-Hademarschen      

Tel. 04872-3729      

info@ferienhof-sievers.de      

www.ferienhof-sievers.de      

Übernachtung      

 

Irma Stöven      

Holstenstraße 19      

25557 Hanerau-Hademarschen      

Tel. 04872-7924      

Übernachtung   

 

Hinweis auf Karten:

Name:     Wander- und Freizeitkarte Nr. 6       Rendsburg - Neumünster  1 : 50000

Herausgeber:    Landesvermessungsamt Schleswig–Holstein       3-89130-286-x  

 

Hinweis auf Wanderliteratur:

Titel:      Ausflugsziele im Herzen Schleswig-Holsteins

Verlag:     Boyens Buchverlag ISBN      3-8042-1165-8

Titel:      Schleswig-Holstein-Lexikon

Verlag:     Wachholtz - Verlag ISBN      3-529-02441-4

Titel:      Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler,       Hamburg - Schleswig-Holstein

Verlag:     Deutscher Kunstverlag ISBN      3-422-03033-6

Titel:      Theodor Storm – Eine Biographie

Verlag:     Verlag Boyens & Co ISBN      3-8042-0856-8

Titel:      Theodor Storm in Hademarschen und        Hanerau

Hrsg.:     Gemeinde Hanerau-Hademarschen 1994   

 

GPS-Tracks:    Kai Zarp †

 

Bilder: Interessengemeinschaft  “Wanderbares Schleswig–Holstein

 

Kartenskizze: Kai Zarp †

 

Ansprechpartner:  

Interessengemeinschaft  “Wanderbares Schleswig–Holstein“  

von Heyer, Wolfgang  

Kuhlacker 32a  

24145 Kiel  

Tel. 0431-713495  

www.wanderbares-schleswig-holstein.de   

 

Tourismusorganisation:  

Tourist-Information Am Markt      

Im Kloster 2      

25557 Hanerau-Hademarschen      

Tel. 04872-9191      

Fax  04872-9192      

info@tourismus-hanerau-hademarschen      

www.am-nord-ostsee-kanal.de

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