Wallfahrt zur heiligen Katharina

- Eine Wanderung durch den Naturpark Westensee -

 

Was macht die Wanderung aus, was ist das Besondere?

 

Pilgerwege, Wallfahrten haben in der Gegenwart eine unglaubliche Renaissance erfahren. Sie werden heute kaum noch als Bitt- oder Bußgänge, als Sühnefahrt, Bestandteil von Strafauflagen empfunden. Aber die Pflege von Tradition, der Wunsch vieler Menschen, sich selbst zu finden, die eigenen Wurzeln, Fähigkeiten auszuloten, ist Motivation zu den heutigen Pilger- und Wallfahrten. Das Ziel der Wanderung ist die einst der Heiligen Katharina geweihte Kirche in Westensee. Das Wandern ist die ursprünglichste Art der Fortbewegung des Menschen, sie erlaubt eine bewusste Wahrnehmung der Umwelt, der Natur, eine Rückkoppelung von Bewegung und Wahrnehmung. Wandern ermöglicht auch ein In-sich-Gehen. In der Bewegung werden wir zu ungeahnten Gedankengängen angeregt.

Auf unserem Weg vom Parkplatz am Westensee sehen wir auf die Blaue Wiese, sind bereit, die Blaue Blume zu finden. Auf dem Naturparkweg gekennzeichnet ,NPW, der die Naturparks Hüttener Berge, Westensee, Aukrug, Holsteinische Schweiz und Lauenburgische Seenplatte verbindet, steigen wir in Richtung Felde durch den Wald auf die zum Westensee abfallenden Moränen. www.wanderverband-norddeutschland.de/wanderwege/hauptwanderwege. Von hier erblicken wir zwischen Bossee und Westensee, jetzt auf einer Halbinsel gelegen, die Stätte Lohburg, von wo aus das Raubrittergeschlecht derer von Westensee die Warentransporte zum Stapelplatz Hohenhude überfiel. Durch welliges Gelände geht es weiter; wir queren die Landstraße zwischen Westensee und Felde, gelangen nach 500 m Straße zum Gut Bossee,( ab 1400 im Besitz der Familien von Ahlefeldt, von Brockdorff, von Qualen, von Rantzau, von Rumohr, ab 1824 von Bülow). Das Gut ist eine axialsymmetrische Hofanlage mit Resten eines Wassergrabens aus dem 16. Jahrhundert. Beiderseits des Herrenhauses von 1857/59 befinden sich das ehemalige Kavaliershaus und der Reitpferdestall. Davor stehen Wirtschaftsgebäude mit dem Kuhhaus von 1709. Anstelle eines Torhauses empfängt uns ein Turm nach dem Vorbild des großen Bothkamper Torhauses. Zwischen diesem Turm und dem rechten Wirtschaftsgebäude verläuft der NPW; wir blicken auf die deutlich sichtbaren Reste eines Wassergrabens. Weiter geht es über ausgedehnte Ackerflächen in das Felder Holz, an dessen östlichem Rand wir wandern. An der Straße in Richtung Felde verlassen wir den Naturparkweg, wandern entlang des nördlichen Waldrandes durch das Felder Holz in Richtung Rolfshörn, bis wir kurz vor einem kleinen See links abbiegen zur Holzkate, die wir auf dem weiteren Weg zur Linken liegen lassen. Nach weiteren 500 m biegt der Weg links ab und führt dann erneut an einen Waldrand, wo wir etwa 50 m vorher rechts ab in Richtung Südwesten auf die Gut Bossee und Schönhagen verbindende Straße zu wandern. Diese Straße erreichen wir nach 500 m. Sie ist eine beeindruckende Eichenallee von Hof Schönhagen zum Gut Bossee. Hier biegen wir rechts ab und erreichen nach etwa 250 m den Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen Meierhof Schönhagen, der zum Gut Bossee gehört, mit seinem einfachen Torhaus. Der alte Verbindungsweg beeindruckt mit seinen mächtigen Eichen; er wird als bemerkenswerte Allee beschrieben. Von Schönhagen erreichen wir nach weiteren 400 m die Kreisstraße 67 zwischen Bredenbek und Groß Vollstedt. Hier biegen wir links ab und gelangen nach 350 m auf Höhe des nördlichen Randes des Bruxer Holzes dann rechts ab auf einen Feldweg, der in das Gehölz hineinführt. Wir folgen dem Weg geradeaus, halten uns dann stets in Richtung Südwesten auf Wegen am westlichen Gehölzrand durch das wildreiche Bruxer Holz, bis wir mit Blick auf den westlichen Waldrand kurz vor dem NSG Methorst auf die Hassmoor und Brux verbindende Straße stoßen. Hier biegen wir links ab, um nach 150 m wieder rechts ab in den Wald zu wandern auf einem Weg, der uns an den Methorstteich führt. Das NSG Methorstteich ist ein ehemaliger Fischteich mit angrenzenden Erlenbrüchen. Das Gebiet hat große Bedeutung für Vögel, Uferrandfauna und aquatische Fauna. Methorstteich und Rümlandteich sind seit 1957 unter Naturschutz gestellte Gebiete. An der Bildungsstätte Methorst wandern wir links ab, gelangen nach 150 m auf einen breiteren Waldweg, den wir überschreiten und unseren Weg geradeaus fortsetzen. Nach etwa 750 m gelangen wir an einen Waldrand, erblicken die Häuser von Stolzbrook. Am Waldrand zweigt links ab der mit gelbem Pfeil markierte Nord-Ostsee-Wanderweg (NOW) www.wanderverband-norddeutschland.de, ebenfalls ein schleswigholsteinischer Fernwanderweg, der von Meldorf bis Kiel-Schulensee führt. Auf diesem wandern wir durch prachtvollen Wald, durch die bis 56 m hohen Moränenhügel der Charlottenhöhe, an eine mittelgebirgsartige Landschaft erinnernd, nahe am einstigen „Tempel der Künste und des Geschmacks“, Gut Emkendorf, vorbei. Wir streifen das beeindruckende Schmelzwassertal, durch das während der letzten Weichseleiszeit die Schmelzwässer der Gletscherzunge abflossen, die als Stauchendmoräne den 88 m hohen Tüteberg bei Westensee, den Heeschenberg bei Schierensee, den Heiligen Berg bei Blumenthal aufgeschoben hat. Kurz vor Brux gelangen wir auf die Kreisstraße 67, wenden uns nach rechts, um nach wenigen Metern links ab in die Straße nach Brux zu gehen. Von dieser führt nach etwa 400 m der NOW rechts ab und wir wandern am Hang eines tief eingeschnittenen Tales in eine breite, sumpfigmoorige Aue, die wir durchqueren, um am gegenüber liegenden „Ufer“ etwa 20 m aufzusteigen, wo wir auf den Naturparkweg (NPW) stoßen, links ab in Richtung Westensee, vorbei an einer Töpferstube wandern, um zur Kirche der heiligen Katharina zu gelangen. Das aus sorgfältig geschichteten, rechteckig behauenen Findlingen der Eiszeit errichtete Schiff stammt aus dem mittleren 13. Jahrhundert. Bereits um 1300 soll die Kirche in Westensee als Wallfahrtskirche zahlreich aufgesucht worden sein. Noch heute feiert man in Westensee das Catharinenfest. Die Heilige Katharina soll der Legende nach in Alexandria zu Beginn des 4. Jahrhunderts n.Chr. in der philosophischen Auseinandersetzung mit 50 „heidnischen“ Philosophen diese so beeindruckt und überzeugt haben, dass sie zum Christentum übergetreten sind. Die Heilige Katharina galt daher als Schutzheilige der Philosophen, der Gelehrten, der zwischen Wissen und Glauben wankenden Menschen. Die Disputation zwischen Katharina und den Philosophen könnte folgenden Zitat- wechsel gehabt haben:

 

„Stets kann es dir gut gehen, wenn du richtig wandelst, rechtschaffen denkst und tust.“

„Hütet euch davor, nur deshalb Gutes zu tun, damit die Leute euch bewundern.“

„Wie der Baum so die Frucht! Ein guter Baum trägt gute Früchte, ein schlechter Baum trägt schlechte Früchte.“

„Was dem Schwarm nicht zuträglich ist, taugt auch nicht für die einzelne Biene.“

„Die Menschen sind füreinander geboren. So belehre oder dulde, die’s nicht wissen.“

„So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“

 

Aber was hat Katharina, was der Philosoph gesprochen? Weltliches und göttliches stehen in der Kirche eindrucksvoll beieinander. Das Grabmal des 1569 im Krieg mit Schweden gefallenen Feldherrn Daniel Rantzau auf Nienhof wurde 1645 von schwedischen Truppen zerstört und 1917 aus den verbliebenen Resten wieder zusam-mengesetzt. Es wirkt eindringlich in Form eines Wandgrabes mit der Liegefigur des Gefallenen in voller Rüstung. Mehrere Gruftanbauten, Sandsteingrabplatten zeugen von der Bedeutung der Region Westensee als Handelsplatz zwischen West und Ost. Mag jeder der Heiligen Katharina etwas Persönliches anvertrauen; nach 18 km Wanderung durch eine wunderschöne, wald- und wasserreiche Landschaft trägt jeder seine Gedanken mit sich, wird jeder körperlich und geistig bewegt worden sein. Mich bewegt der Gedanke, was die heilige Katharina auf die Aussage des 150 Jahre vor ihr lebenden „heidnischen“ römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel geantwortet hätte.

 

„Hüte dich, selbst gegen Unmenschen so gestimmt zu sein, wie Menschen gegen Menschen gestimmt zu sein pflegen.“

Bundesland: Schleswig–Holstein

 

Region: Kreis Rendsburg-Eckernförde      

 

AktivRegion Mittelholstein

 

Wegezuordnung:  

Naturparkweg NPW      

Nord-Ostsee-Wanderweg NOW      

www.wanderverband-norddeutschland.de      

Overlay-Verfahren  

 

Start- und Zielpunkt:  

Parkplatz am See      

Am See 1 

24259 Westensee         

 

Verkehrsanbindung Auto:

Von Kiel oder AK Rendsburg über A 210 bis Ausfahrt 5 Achterwehr, von dort auf K 67, Abfahrt rechts nach Felde / Westensee  

 

Verkehrsanbindung ÖPNV:

Kiel Hbf/ZOB mit Buslinie 620  7:33 Uhr  bis Westensee (nur montags bis freitags)   

 

Rund- oder Streckenwanderung: Rundwanderung

 

Länge: 19 km

 

Geschätzte Dauer: 6  Std.  gemächlich, 5  Std.  zügig        

 

Markierungszeichen: keine durchgehende Markierung  

 

Höhenunterschied:

Tiefster Punkt: 6 m  

Höchster Punkt: 28 m  

 

Anforderungen:

steile Passagen: nie

Trittsicherheit: nie

durchgehend kinderwagengerecht: ja

barrierefrei: nein  

Besonderer Routencharakter: Naturwanderung      

Kulturwanderung  

Jugendwanderung: Die Wanderstrecke ist auch für Jugendliche geeignet

Begehbarkeit: ganzjährig  

 

Sehenswürdigkeiten:  

1. Gut Bossee      

2. NSG Methorst      

3. eiszeitliches Schmelzwassertal bei Emkendorf

4. St. Catharinen-Kirche in Westensee

5. der Westensee  

 

Einkehrmöglichkeiten:  

Westensee      

Jugendherberge Westensee      

Am See 24      

24259 Westensee      

Tel. 04305-542      

jh-westensee @djh.de      

www.jugendherberge.de      

Übernachtung 

     

Westensee      

Café Zeit & Restaurant      

Dorfstraße 23      

24259 Westensee      

Tel. 04305-681      

Einkehr      

 

Westensee      

Gaststätte „Zum Spritzenhaus“      

Am See 1      

24259 Westensee      

Tel. 04305-537      

Einkehr      

 

Brux      

Falkenhof      

Rosenberg 4      

24259 Westensee      

Tel. 04305-1348      

www.hotelfalkenhof.com      

Übernachtung / Einkehr    

 

Hinweis auf Karten:

Name: Wander- und Freizeitkarte Nr. 6      

Rendsburg - Neumünster 1 : 50000

Herausgeber:   Landesvermessungsamt Schleswig – Holstein    

3-89130-286-x      

Naturpark Westensee Nortorfer Land      

mit Ausflugszielen, Einkehr- & Freizeittipps      

1 : 30000      Public Press – Die Karten mit der Sonne 551    

 ISBN   978-3-89920-551-0    

 

Hinweis auf Wanderliteratur:

www.kirchengemeinde-westensee.de/html/catharinen.php Wissenswertes über wundervolle Alleen und benachbarte Kultur in Schleswig- Holstein Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – Landesverband S-H www.sdw-sh.de  (2008) Titel:     Neuer Biologischer Atlas – Ökologie für Schleswig-Holstein und Hamburg

Verlag:    Wachholtz - Verlag ISBN     3-529-05404-6 

Titel:     Ausflugsziele im Herzen Schleswig-Holsteins

Verlag:    Boyens Buchverlag ISBN     3-8042-1165-8

Titel:     Handbuch der deutschen      Kunstdenkmäler, Hamburg - Schleswig-Holstein

Verlag:    Deutscher Kunstverlag ISBN     3-422-03033-6

Titel:     Landschaftsgeschichtliche Exkursionsziele

Verlag:    Wachholtz - Verlag ISBN       3-529-054054       

 

Bilder: Kai Zarp †

 

Kartenskizze:   Kai Zarp †

 

Ansprechpartner:  

Interessengemeinschaft “Wanderbares Schleswig–Holstein“

von Heyer, Wolfgang

Kuhlacker 32a

24145 Kiel

Tel. 0431-713495

www.wanderbares-schleswig-holstein.de  

 

Tourismusorganisation:

Touristinformation      

Naturpark Westensee & Nortorfer Land      

24589 Nortorf      

Tel. 04392-89620      

Land-erleben@t-online.de      

www.tourismus-naturpark-westensee.de 

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