Natur und Wandern

Umweltbildung mangelhaft

 

Das Wissen über Wildtiere und ihre Lebensräume erhalten Kinder und Erwachsene, wenn überhaupt, vorwiegend aus den Medien, nicht aber aus dem Naturerleben. Das erhebliche Angebot an „Naturfilmen“ über die Arktis, die Antarktis, die

Urwälder, Wüsten beweisen, dass eine Sehnsucht nach Naturerlebnis besteht, dass aber kaum Kenntnis vorhanden ist, welche Wildtiere bei uns heimisch sind, wie sie leben, wovon sie sich ernähren, welchen Lebensraum sie benötigen. Naturschutz kann nur durch Umweltbildung erreicht werden. Das mediale Fernerleben ersetzt nicht die „begriffene“ Erfahrung : Wenn man einen Frosch auf der Hand spürt, ist man gefühlsmäßig berührt und das vergisst man nicht.

 

Plädoyer für den Wald

 

Seit 2004 können Mittel der Grundwasserabgabe für die Neuwaldbildung und den Waldumbau genutzt werden. Noch ist Schleswig-Holstein das waldärmste Land der Bundesrepublik Deutschland mit einem Waldanteil von 10% der Landesfläche. Von Natur aus ein Waldland war Schleswig-Holstein vor 1000 Jahren von Küste zu Küste mit Wäldern bedeckt. Raubbau an den Wäldern durch vielseitige Ausbeutung des Waldes, durch Rodung, Reparationshiebe führten zu einer fast vollständigen Entwaldung des Landes. Erst 1953 startete das “Programm Nord“. Nur 15 Prozent des Waldes sind älter als 100 Jahre, zwei Drittel jünger als 60, die Hälfte der Wälder ist sogar weniger als 40 Jahre alt. Der Anteil privaten Waldbesitzes ist mit über 50 Prozent ungewöhnlich hoch, die Zahl der Waldbesitzenden liegt über 10 000, es gibt rund 6500 private Forstbetriebe.

 

Ein Siebtel des Waldes ist Körperschaftswald. Größter Waldbesitzer ist das Land SchleswigHolstein mit einem Anteil von 
knapp einem Drittel an der gesamten Waldfläche. Für die Bewirtschaftung der Wälder ist die zergliederte

Eigentumsstruktur denkbar ungünstig. 

Wälder erfüllen heute mehr denn je vielfältige Aufgaben im Naturhaushalt und zur Erholung und Bildung der Menschen. 

Diese Nutzung der Wälder zu garantieren ist eine Aufgabe der Politik und der Gemeinschaft aller Bürger des Landes.

 

Stiche müssen nicht sein

 

Wenn das Klima uns wieder einen warmen Sommer beschert, werden spätestens ab Mai bis Juli die Bienen, von Juli bis September hauptsächlich Wespen fliegen. Um Stiche zu vermeiden sind einige Verhaltensregeln zu beachten:

  • Nicht nach Bienen und Wespen schlagen, Ruhe bewahren, die Insekten 
  • nicht unnötig reizen. 
  • Nicht barfuss über Rasen oder Wiesen laufen.
  • Fallobst und offene Mülleimer meiden.
  • Haarspray, Parfüms, stark riechende Shampoos, der Geruch von Bananen
  • machen Bienen angriffslustig. 
  • Süße Getränke nicht aus angebrochenen Dosen, offenen Behältnissen
  • trinken, sie könnten Insekten enthalten. 
  • Insektengiftallergiker sollten besonders vorsichtig sein und möglichst 
  • nicht im Freien essen. 
  • Vor allem Süßigkeiten und Fleisch locken die Insekten an. 
  • Auf weite Kleider, Schals, in denen sich Insekten verfangen können, 
  • sollte verzichtet werden. 
  • Flauschige Stoffe erhöhen die Angriffslust der Insekten, da der Wanderer
  • dann dem Honigräuber Bär ähnelt.

 

Auf Kräutertour durch die Natur

 

Wanderungen durch die Natur sollten dazu bewegen, die Dinge unterwegs mit allen Sinnen zu erfassen. Kräuter, die niemals Un-Kräuter sind, haben faszinierende Blüten, besitzen gesägte, gezahnte, gekerbte, gebuchtete, gelappte, fiederteilige, lineale, lanzettliche, ei-,Pfeil, herzförmige Blätter, sie riechen, sie schmecken. Von allen Pflanzen sollte man einmal kosten. Pflanzen, die unter Naturschutz stehen, weil sie sehr selten oder vom Aussterben  bedroht sind, sollte man kennen lernen und stehen lassen. Es schadet keinem Menschen, einem Wanderer ohnehin nicht, wenn er sich einmal zu der beobachteten Pflanze herablässt, sich mit ihr auf Augenhöhe einlässt, sie  zeichnet, photographiert, sie sich merkt. Auch von so genannten „Giftpflanzen“ kann man kosten. “Die Dosis macht das Gift.“  Wie großartig ist es, wenn man als anderer die Fülle an weiß, gelb, rot, blau, grünlich blühenden Kräutern, Sträuchern, Bäumen unterscheiden, häufige Essbare Kräuter sammeln kann, um sich unterwegs oder daheim einen Kräutersalat, -quark zuzubereiten. Pflanzen  estimmen ist nicht so schwer, wie manche denken. Bestimmungsbücher

mit gezeichneten oder photographischen Abbildungen der Pflanzen ermöglichen

einen guten und leichten Einstieg. Legen Sie sich ein Herbarium mit den gesam-

melten Pflanzen an. Folgende Literatur kann ich empfehlen: 

Aichele / Golte – Bechtle “Was blüht denn da?“

Kosmos Verlag (ISBN 978-3-4401-0212-1) 

Sven Linnartz “Die botanische Exkursion – Schritt für Schritt

zum Herbarium“     (ISBN 978-3-7741-1066-3) 

B. Klemme, D. Holtermann “Delikatessen am Wegesrand – Un-Kräuter

zum Genießen“ (ISBN 3-925691-25-1) 

B. Klemme, D. Holtermann “Delikatessen am Wiesenrand – Un-Kräuter

zum Genießen“ (ISBN 3-925691 – 25 - X)

 

Augen und Ohren auf

 

Für den aufmerksamen Wanderer kann es jedes Jahr eine Freude sein, wenn er oder 

sie dem Baum des Jahres, dem Vogel des Jahres, der Blume des Jahres begegnet

und darauf vorbereitet ist oder sich mindestens nach der Wanderung näher damit

beschäftigt.

Zahlreiche Geschichten, Mythen, spannende Tatsachen ranken sich um Bäume,

Vögel, Blumen.

Eine Beschäftigung mit den Hintergründen lohnt, ehe es im Frühjahr hinausgeht.

 

Jede achte Vogelart droht auszusterben

 

Insgesamt 110 der 260 heimischen Arten sind gefährdet im Bestand berichtet der 

Naturschutzbund Deutschland in einer Roten Liste der Brutvögel Deutschlands. 

Nur knapp die Hälfte der Vogelarten könne als ungefährdet gelten.

 

Habt Ihr ihn schon gesehen?

 

Der Eisvogel ist der Vogel des Jahres 2009, der an fließenden, klaren Gewässern lebt 

und sich von Fischen, Wasserinsekten, Kleinkrebsen und sogar Kaulquappen

ernährt. Seine oberseitige blauschillernde, bauchseitige rostbraune Färbung hat ihm

möglicherweise den Namen “Eisenvogel“ = Eisvogel verliehen, aber es gibt mehrere

andere Deutungen, auch erzählenswerte Sagen, Mythen um diesen Vogel.

Eine besagt, dass Noah den damals noch grau gefärbten Eisvogel der Taube 

nachschickte, um zu erkunden, ob sich die Wasser der Sintflut zurückgezogen 

hätten. Auf seinem Flug kam der Eisvogel durch einen Sturm vom Wege ab, flog so

hoch, dass er auf der Oberseite die Farbe des Himmels annahm, auf der Unterseite

von der Sonne rotbraun verbrannt wurde. Seitdem ist er die Gewässer abstreifend

auf der Suche nach der Arche Noah, um zu berichten, die Sintflut habe ein Ende

genommen.

Aber auch Tagpfauenauge, Igel, ja gar die Dreiecksspinne lohnen als Tiere des

Jahres eine Beschäftigung.

 

Auch Bäumen geht es schlecht

 

Nicht nur der “saure“ Regen hat den Bäumen, den Wäldern geschadet, auch 

Mikroorganismen sind für Baumsterben verantwortlich.

Wer die Eschen in diesem und im letzten Jahr beobachtet hat (“Grünt die Eiche vor

der Esche hält der Sommer große Wäsche, grünt die Esche vor der Eiche hält der

Sommer große Bleiche“) wird festgestellt haben, dass zahlreiche Triebe der Eschen

völlig kahl bleiben und die Bäume nahezu absterben. Verursachen soll dieses

Eschensterben ein o,5 – 3 Millimeter kleiner Schlauchpilz (Chalara fraxinea), der in

die Saftbahnen der Eschen eindringt und den Transport von Wasser und Nährsalzen

in die Kronen unterbindet.

 

Amphibien und Reptilien: Indikatoren für unsere Umwelt

 

Schleswig-Holstein war einmal ein Land der intakten Seen, Moore, Heiden und 

Flussauen.

Für Amphibien und Reptilien muss es ein Paradies mit angepassten Fressfeinden

gewesen sein.

Die “Rote Liste der Amphibien und Reptilien Schleswig-Holsteins“ von 2003 bildet

die derzeitige Gefährdungslage dieser Tiergruppen ab.

Von den Amphibien werden Teichmolch und Erdkröte als derzeit nicht gefährdet

angesehen.

Alle anderen Arten sind ausgestorben oder gefährdet: 

Bergmolch (R = extrem selten), Kammmolch (V = zurückgehend), Fadenmolch (O =

ausgestorben oder verschollen), Rotbauchunke (1 = vom Aussterben bedroht),

Knoblauchkröte (3 = gefährdet), Kreuzkröte (3 = gefährdet), Wechselkröte (1 = vom

Aussterben bedroht), Laubfrosch (3 = gefährdet), Moorfrosch ( V = zurückgehend),

Grasfrosch (V = zurückgehend), Teichfrosch (D = Daten mangelhaft), Seefrosch (R =

extrem selten).

Heute werden Amphibien weniger gefressen als ausgehungert, ausgetrocknet, platt

gefahren, weggebaggert, zugeschüttet.

Wann werden Teichmolch und Erdkröte stark gefährdet sein?

Von den Reptilien ist die europäische Sumpfschildkröte ausgestorben ( = 0), die

Zauneidechse, die Ringelnatter und die Kreuzotter sind stark gefährdet ( = 2), bei

der Blindschleiche wird eine Gefährdung angenommen ( = G). Die Schlingnatter ist

vom Aussterben bedroht ( = 1). Lediglich die Waldeidechse wird als derzeit nicht

gefährdet angesehen.

Von den heimischen Amphibien sind durch Maßnahmen des Menschen 53% aller

Arten ausgestorben oder gefährdet.

Von den heimischen Reptilien sind 86% ausgestorben oder gefährdet.

Eine bedrückende Bilanz! 

Aufgabe auch der Wanderer bleibt es, Freude und Achtung vor allen Lebewesen zu

vermitteln und keine Furcht, Ängste vor ihnen zu schüren.

Wissen ist der beste Zugang und Schutz in der Natur.

 

Knick - Checks

 

Knicks gelten als Markenzeichen Schleswig-Holsteins und bieten zahlreichen Tier- 

und Pflanzenarten Lebensraum. Dennoch wird nach Ansicht des BUND ihr Zustand

immer schlechter.

Der Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

hat Ende 2008 die Aktion “Knick-Check“ gestartet. Bisherige Untersuchungen

zeigen, dass sich nur wenige Knicks in einwandfreiem Zustand befinden. Auch wir

Wanderer stellen oft den Schwund oder mangelhaften Zustand der Knicks fest. 

Dies sollten wir den zuständigen Stellen melden.

 

Der Vogel des Jahres 2010

 

Kormorane mit ausgebreiteten Flügeln, die Federn im Sonnenlicht trocknend, sieht 

man an Seen, an der Ostseeküste inzwischen wieder häufig. Aber habt ihr den hoch

aufgerichteten, bronzeschimmernden dunklen Vögeln schon einmal in die Augen

geschaut? Sie sind grün wie Smaragde.

Die Kormorane können ihren Körper, deren Federn beim Tauchen durchfeuchtet

werden, so tief in das Wasser einsenken, wie sie wollen. Unter Wasser tauchend 

schlagen die beiden Ruderfüße gleichzeitig zu. So kann der Vogel schnell tauchen,

mit geschlossenen Flügeln. Ein faszinierender Vogel, der bei Fischern nicht beliebt

ist, von dem in Schleswig-Holstein in 13 Kolonien 2323 Paare brüteten; bundesweit

sind es 24000 Brutpaare.

 

Blume des Jahres 2010

 

Während die gelbblühende Wasser-Schwertlilie in Wald- und Wiesensümpfen, 

Verlandungsröhrichten noch häufig anzutreffen ist, gehört die ebenfalls und zu

Recht geschützte Art der Gattung Iris, die Sibirische Schwertlilie, zu den eher selten

anzutreffenden Arten.

Durch die intensive Nutzung von Sumpfgebieten hat die blauviolett, am Grunde

weißlich, blauviolett geadert blühende Iris sibirica viele ihrer Standorte im 20.

Jahrhundert verloren.

 

Pflanzen des Jahres 2010

 

Als Arzneipflanze des Jahres wurde der Efeu (Hedera helix) gekürt. 

Fertigarzneimittel mit Efeu-Extrakt werden bei Erkrankungen der oberen Luftwege

eingesetzt. Von einer Anwendung als Teedroge wird abgeraten, die Droge enthält in

den Blättern schwer dosierbare Gehalte an Saponinen. Die dunkelblauen Beeren

sind giftig.

Als Giftpflanze des Jahres wurde die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) gewählt,

die im Herbst mit krokusähnlichen Blüten blüht. Die Pflanze ist in allen Teilen stark

giftig.

Als Blume des Jahres hat die Loki Schmidt-Stiftung die Sibirische Schwertlilie (Iris

sibirica) ausgesucht. Diese Iris gehört zu den seltensten Blütenpflanzen der

schützenswerten Feuchtlebensräume.

Die Vogelkirsche (Prunus avium) wurde zum Baum des Jahres ernannt. Die

Vogelkirsche gilt als Mutter aller Süßkirschen.

 

Rücksichtnahme auf Wild im Winter

 

Viele Tiere wie Rehe regulieren ihren Energiehaushalt im Winter deutlich herunter. 

Jede Störung bei Wanderungen im Winter sollte möglichst vermieden werden, da

Flucht schlagartig sehr viel Energie erfordert, was den Tieren schaden kann. Man 

sollte sich den Tieren, wenn sie stehen bleiben, daher nicht unnötig nähern, eher das

Gefühl geben, dass man sie nicht beachtet, kein Feindbild abgibt.

 

Milde Winter – mehr Vögel?

 

Auch wenn man den Winter 2009/2010 in SchleswigHolstein nicht als „mild“ 

bewerten kann, haben sich verschiedene Faktoren bereits auf die Vogelwelt

ausgewirkt: Eine signifikante Erwärmung der Winter ist bei uns nicht eingetreten,

wohl aber in Skandinavien, was einen Teil der nordischen Brutvögel zum Bleiben

veranlasst.

Das Nahrungsangebot hat sich in Schleswig-Holstein durch anthropogene Einflüsse

sowohl positiv wie auch negativ verändert.

173 Vogelarten haben in Schleswig-Holstein regelmäßig überwintert.

Bei mehr als der Hälfte, bei 90 Arten, haben sich die Winterbestände

verändert, bei 70 Arten nehmen sie zu, bei 20 ab.

Häufigere Wintergäste sind die Pfeifente, der Seeadler, die Mönchs-

grasmücke, die Singdrossel, der Star. Rückläufig waren die Bestände von Rebhuhn,

Steinkauz, Grünspecht, Haubenlerche und Grauammer. Auch die Zahlen von

Wasseramsel, Schneeammer und Nebelkrähe sind rückläufig.

„Amsel, Drossel, Fink und Star sind nun auch im Winter da.“

 

Raubbau an der Natur

 

Die Vereinten Nationen haben die Wirtschaft und die Politik zu einem verstärkten 

Engagement für den Erhalt der Umwelt und der Artenvielfalt aufgerufen. Wir

denken aber viel zu sehr an die Regenwälder der Tropen, die Korallenriffe, ferne

Lebensräume.

Der Landesentwicklungsplan für Schleswig-Holstein sieht eine großartige

Vernetzung von Wirtschaftsräumen durch Autobahnen, Schnellstraßen,

Bahntrassen, Siedlungsflächen vor. 

Eine Vernetzung von Lebensräumen, wie sie für die Erhaltung von Artenvielfalt

erforderlich ist, Korridore zur Ausbreitung, Wanderung, Kommunikation von Arten

sind in dem Entwicklungsplan schwer auszumachen.

Wir brauchen für unsere Zukunft als Entwicklungsgrundlage eine harmonische

Synthese von Ökonomie und Ökologie. Wir brauchen eine artengerechte

Raumplanung!

 

Flechten als Umweltindikatoren

 

Ein Indikator für Klima- und Landschaftsveränderungen ist das Vorkommen von 

Flechten.

Eine Vielzahl von Umweltfaktoren wirkt sich auf die Anzahl und die

Populationsdichte der in Schleswig-Holstein heimischen Flechtenarten aus.

Als ungefährdet gelten nach der Roten Liste der Flechten Schleswig-Holsteins 24,9

Prozent aller bekannten Arten.

Ein bedeutender Artenverlust ist im 20. Jahrhundert auf die hohe Schadstoffbelastung

der Luft und den Strukturwandel der Landschaft zurück zu führen. Auch  das Ausbringen 

von stickstoffhaltigen Düngemitteln hat zu Veränderungen der  Artenvielfalt geführt. Ein

Verschwinden von kälteliebenden Arten und die Zunahme von wärmeliebenden Arten

zeigen Klimaveränderungen an.

 

Einen interessanten Überblick mit Abbildungen über die formenreiche Gruppe der

Flechten gibt die Broschüre „Die Flechten Schleswig-Holsteins – Rote Liste“ aus der

Schriftenreihe LLUR SH – Natur – RL 21 (ISBN 978-3-937937-42-2)

 

„Stummer Frühling“

 

Die vor fünfzig Jahren heraufbeschworene Gefahr eines „stummen Frühlings“ ist 

noch längst nicht gebannt.

Positive und negative Entwicklungen im Lebensraum der Vögel unseres Landes 

werden in der aufschlussreichen Broschüre „Die Brutvögel Schleswig-Holsteins –

Rote Liste“ (Schriftenreihe LLUR SH-Natur-RL 20, ISBN 3-037937-45-8) benannt.

Einflussgrößen auf den Brutbestand, der mit 140 Brutpaaren / km² in Schleswig-

Holstein nur 60 Prozent des Bundesdurchschnitts erreicht, sind: 

- zunehmender Einfluss des atlantischen Klimas,

- der geringe Waldanteil von nur 10 Prozent der Landesfläche,

- der hohe Anteil landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen,

- Entwässerung von Wiesen und Grünlandflächen, Mooren, Sumpfgebieten,

- Nutzung bisheriger Brachflächen,

- Rodung und unsachgemäße Behandlung von Knickanlagen,

- starke touristische Nutzung von Küstenvögelbrutgebieten,

- industrielle Fischfangmethoden,

- Veränderungen im Siedlungsbereich der Menschen durch  

Gebäudesanierung, intensive Pflege und Reduzierung von Grünflächen,

- Eutrophierung der Gewässer. 

Flächenankauf der Naturschutzstiftungen, Vogelschutzprogramme, eine veränderte

Sensibilität der Menschen gegenüber der Natur lassen hoffen, dass uns langfristig

der Gesang von Vögeln vielstimmig erhalten bleibt.

 

Natur des Jahres 2013

 

Die jährliche Wahl eines Vogels, eines Baumes, einer Blume des Jahres und anderer 

„Jahreswesen“ ist eigentlich eine Wahl zur Erhaltung von Lebensräumen, in denen

diese Lebewesen eine Chance zum Überleben, zur Rettung ihrer Art haben.

Den Vogel des Jahres 2013, die Bekassine, trifft man in Schleswig-Holstein in den

gefährdeten Landschaftsbereichen Moore, Brüche, Sümpfe, Wiesen und Weiden.

Der Bestand hat sich allein im Zeitraum von 1970 – 1995 um 90 % vermindert.

Auch der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter als Schmetterling des Jahres 2013 deutet als

gefährdete Art auf einen erhaltenswerten Lebensraum hin.

Die Blume des Jahres 2013, das Leberblümchen, steht schon seit vielen Jahren auf

der Roten Liste der bedrohten Arten, sein Vorkommen ist im Norden zerstreut,

durch größere Lücken unterbrochen. Sein Lebensraum sind Laubwälder auf

nährstoffreichen Böden.

Das Leberblümchen ist einer der ersten Frühlingsblüher im März, April, wurde

gemäß der mittelalterlichen Signaturenlehre aufgrund der Form der Blätter gegen

Leberleiden eingesetzt.

Ebenfalls in Auen-, Laubmisch- und feuchten Eichenwäldern auf nährstoffreichen

Böden kommt der Baum des Jahres 2013, der Wildapfel (Malus sylvestris), zerstreut

vor.

 

Während die Früchte der Gewöhnlichen Traubenkirsche (Prunus padus) als

Wildobst verwendbar sind, sind die Früchte des Kirschlorbeers in unseren Gärten

(Prunus laurocerasus) wegen des hohen Gehaltes an cyanogenen Verbindungen

giftig. Der Kirschlorbeer wurde vom Botanischen Sondergarten Wandsbek

(giftpflanze@wandsbek.hamburg.de) zur Giftpflanze des Jahres 2013 gekürt.

Als dekorative Salatpflanze lassen sich die Blüten der Arzneipflanze des Jahres, die

Kapuzinerkresse, wegen ihres Gehaltes an Senfölglykosiden verwenden. Anerkannte

Indikationen sind Harnwegsinfektionen, Katarrhe der Luftwege, leichte Muskelschmerzen.

Das Kapuzinerkressenkraut ist aber eine die Schleimhäute reizende  Droge und soll daher

nicht länger als 4 – 6 Wochen angewendet werden. Ebenfalls nur in Gärten dürfte die Heilpflanze

des Jahres 2013 anzutreffen sein, die Rosa damascena, deren Blütenblätter zur Gewinnung 

von Rosenöl dienen. Das  Rosenöl enthält ätherisches Öl, die Blütenblätter daneben auch Gerbstoffe.

 

Rosenblütentee kann bei leichten Entzündungen im Bereich der Mund- und  Rachenschleimhaut 

eingesetzt werden. Der Erhaltung von Lebensräumen sollen aber nicht nur „hübsche, schöne, niedliche“

 

Jahreswesen dienen, wie der Vogel des Jahres, die Blume des Jahres, der Schmetterling des Jahres sondern

auch gefährdete Arten wie das Reptil des Jahres, die Schlingnatter, oder die Spinne des Jahres, die Gemeine Tapezierspinne, ja selbst  die Alge des Jahres, der

Einzeller des Jahres. Sie alle sind Teile eines Gleichgewichtssystems, dessen menschliche Beeinflussung

wir kaum abschätzen können. Der Verlust einer Spinnenart wird den „normalen“ Bürger kaum berühren

oder zu Protestaktionen bewegen. Unser Denken wurde falsch gepolt.

 

Vergiftungen in der Natur 

 

Am häufigsten sind Vergiftungen im Haushalt mit Arzneimitteln und

Haushaltschemikalien (Lacke, Farben, Kleber, Reiniger etc.).

Aber auch im eigenen Garten, an Kinderspielplätzen, in Feld und Wald gibt es giftige

oder zumindest reizende Pflanzen und Tiere, die zu Vergiftungserscheinungen bei

Verzehr, bei Stichen, Bissen, sehr selten auch bei Berührung, führen können.

Bei Verzehr von „giftigen“ Beeren oder anderen Pflanzenteilen, dem bedrohlichen

Biss oder Stich eines Tieres können alle Apotheken als Beratungsstellen

angesprochen werden.

Wer Kinder zu betreuen hat, sollte auch die Telefonnummer eines Giftinformationszentrums

parat haben:

 

Giftinformationszentrum Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (GIZ Nord)

Universitätsmedizin Göttingen

Georg August Universität

Robert Koch-Str. 40,

37075 Göttingen

Briefpost:   37099 Göttingen

Tel.:  0551-383180

Fax:  0551-3831881

e-mail: giz

nord@giz-nord.de

Internet: www.giz-nord.de

 

Mücken mögen kein „süßes“ Blut

 

Begleiterscheinung von Wanderungen entlang stehender Gewässer sind an warmen 

Sommertagen Mückenstiche. Nur die weiblichen Mücken stechen und saugen das

Blut von Menschen, Säugetieren, Vögeln. 

Hauptsächlich ernähren sich Mücken von Nektar. Das Blut benötigen die weiblichen

Mücken lediglich für die Eireifung. 

 

Die meisten Vorurteile über die Attraktivität von Menschen für einen Mückenstich

sind falsch: 

- Mücken werden nicht vom Licht angezogen,

- „Süßes Blut“ bei Menschen gibt es nicht,

- Knoblauch oder Vitamin B-Komplex helfen nicht gegen Mückenstiche,

- Bier oder sonstige Alkoholika ebenfalls nicht 

 

Mücken werden angelockt durch:

- das ausgeatmete Kohlendioxid, 

- Schweiß (besonders „Käsemauken“),

- Wärme und Bewegung,

- die unterschiedliche Hormonausstattung von Frauen. 

Die typischen Symptome eines Mückenstichs sind Juckreiz, Schwellung. Rötung,

hervorgerufen durch allergische Reaktion auf die beim Stich injizierten Fremdeiweiße.

 

Gegen den Juckreiz helfen möglichst kühlende Cremes oder Gels mit Antihistaminika.

Als Schutz vor Stichen dienen geschlossene, nicht zu dünne Kleidung, eventuell Repellenzien.

 

Auf „Baumjagd“ beim Wandern

 

Achtung und Bewunderung bewirken alte, mächtige Bäume. Es verwundert nicht, 

dass Bäume früher eine ausgeprägte mythologische und kultische Bedeutung hatten.

Sie gelten als Symbole des Lebens, der Kraft, der Stärke und des Schutzes. 

Es wurden Friedenseichen gepflanzt, unter Linden wurde Recht gesprochen,

gefeiert. Jedem Mond-Monat wurde eine Baumart zugeordnet, die besondere Kräfte,

Eigenschaften verkörperte.

Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) hat im Jahr 2011 zu einer Aktion

aufgerufen, markante Einzelbäume zu suchen und ihren Fund auf einer interaktiven

Karte im Internet unter

www.baumjagd.de einzutragen. Neben Daten wie Baumart,

Standort, Durchmesser oder Umfang, Höhe, ggf. Alter, können auch Geschichten,

Gedichte, historische Fakten zu jedem Baum eingetragen werden. Auch ein Foto

sollte nicht fehlen.

Auf Wanderungen sollte man immer einmal innehalten, einen Baum betrachten,

Wissenswertes erzählen oder hören, vielleicht auch nur seinen Schatten oder seine

 

Ausstrahlung genießen.

 

Highlights des Jahres 2012

 

Eine der Botschaften der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz galt der Erhaltung der 

sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas.

Ein Verdienst der Naturschutzbewegung ist sicher, dass alle Arten , besonders aber

die vom Aussterben bedrohten Arten der Flora und Fauna als Teil unserer

kulturellen Vielfalt in Europa angesehen werden.

Dieser Wertschätzung dient auch die Benennung verschiedener Arten und

Lebensräume als die „Highlights“ eines Jahres, wie der Baum, die Blume, der Vogel

des Jahres 2012.

Der Blick der Wanderer im Jahr 2012 möge sich daher auf die Europäische Lärche

(Larix europaea) richten, ursprünglich nur in alpinen Regionen verbreitet, heute

durch Forstwirtschaft nahezu überall eingebürgert. Die Blütezeit dauert von März

bis April, im Herbst verfärben sich die in Büscheln und an den Langtrieben einzeln

angeordneten Blätter, Nadeln gelb und werden abgeworfen.

Zur Blume des Jahres 2012 wurde von der Loki Schmidt Stiftung eine Pflanze

trockener, magerer, sandiger Wiesen, Böden, die Heidenelke (Dianthus deltoides)

gewählt, mit purpurroten Blütenkronblättern, die weiß punktiert und dunkel

gestreift sind.

Zum Vogel des Jahres 2012 wurden der früher häufige, oft als Unglücksbote

angesehene Rabenvogel, die Dohle (Coloeus monedula), die in Gesellschaft lebt,

erkoren. Die Brutzeit beginnt Ende April/Anfang Mai in ausgewählten Höhlen von

Bäumen, Häusern, Nistkästen. Auffällig sind der graue Hinterkopf und Nacken

sowie das faszinierende Gelb der Iris ihrer Augen.

 

Der Vogel des Jahres 2014

 

Wenn man das Jahr 2014 mit einer „Stunde der Wintervögel“ begonnen hat, wird 

man außer nach den vertrauten und weit verbreiteten Vogelarten wie Meisen,

Finken, Amseln, Spatzen sicher auch nach dem Vogel des Jahres 2014, dem

Grünspecht, Ausschau halten.

Der Grünspecht ist relativ groß, er besitzt ein auffallend grünes Gefieder, einen

gelben Bürzel, eine schwarze Gesichtsmaske und eine auffällig rote Haube am

Oberkopf.

Er besiedelt Waldränder mit anschließendem Wiesengelände, mit Buschwerk

bestandene Weiden, lockere Mischwälder, Auenwälder und da diese rar geworden

sind auch Gartenanlagen und Parks.

Ameisen sind seine Hauptnahrung. Im Herbst und Winter sucht er die Haufen der

Roten Waldameise auf. Er verzehrt aber auch Hummeln, Fliegen und Käfer, als

Beikost auch Wildfrüchte.

Ab Februar lässt er morgens und abends seinen wie Lachen klingenden Balzruf

hören.

 

Blume des Jahres 2014 

 

Einzige Art ihrer Familie der Schwanenblumengewächse ist bei uns die

Schwanenblume (Butomus umbellatus), die in stehenden und langsam fließenden

Gewässern vorkommt, von Juni bis August mit rosa, dunkelrot geaderten Blüten

blühend, angenehm nach Honig duftend. Hauptbestäuber sind Fliegen, Bienen und

Hummeln. Die Vermehrung erfolgt durch schwimmfähige Früchte und vegetativ

durch Verzweigung des stärkehaltigen Rhizoms. 

Als gefährdete Pflanzenart in den selten werdenden Lebensräumen Flussauen, von

Gräben durchzogenen Marschgebieten soll die prachtvolle Pflanze zum Erhalt auch

des von ihr benötigten Lebensraumes dienen.

 

Arzneipflanze des Jahres 2014

 

Wesentlich häufiger als der Blume des Jahres 2014 wird man der Arzneipflanze des

Jahres 2014, dem Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata) begegnen.

Die Wahl dieser vielseitig verwendbaren Pflanze wurde wie folgt begründet: „Die

zahlreichen Inhaltsstoffe des Spitzwegerichs lassen positive Effekte bei Katarrhen

der Atemwege und Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei

Wunden erwarten.“

Als wichtigste Inhaltsstoffe werden antibakteriell wirksame Iridoidglykoside wie

Aucubin, Polysaccharide als Schleimstoffe mit reizmildernden Effekten sowie

Gerbstoffe mit blutstillender, stabilisierender Wirkung genannt.

Das Auflegen gequetschter Blätter auf Insektenstiche, Prellungen und Schwellungen,

wunde Füße wirkt abschwellend, juckreizstillend.

 

Spitzwegerich ist ein bewährtes Hustenmittel. Eine Rezeptur gibt vor: 1 – 2 Teelöffel

Spitzwegerichblätter mit 0,25 L kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen

lassen, abseihen, mit Honig süßen; 3 x täglich.

 

Arzneipflanze des Jahres 2015 

 

Am 24. Juni, dem Johannistag, blüht die Arzneipflanze des Jahres 2015,

das Echte Johanniskraut, Hypericum perforatum. Die etwa 70 cm hoch

werdende krautige Pflanze hat länglich-eiförmige, ungestielte Blätter, die

gegenständig angeordnet sind. Auffallend sind besonders die goldgelben

Blüten- und Staubblätter. In den Blättern und vor allem den

Blütenblättern erkennt man Exkretbehälter. Beim Zerdrücken der

frischen Blüten oder Blütenknospen tritt ein purpurroter Farbstoff aus.

Aus den zerquetschten frischen Blüten kann durch Aufbewahrung,

Auszug in Olivenöl ein rubinrotes Johannisöl (Oleum Hyperici)

gewonnen werden, das wundheilende und entzündungswidrige Wirkung

besitzt. 

Alkoholische Johanniskrautauszüge werden zur Behandlung depressiver

Störungen verwendet. Es sei aber davor gewarnt, solche Auszüge selbst

herzustellen und anzuwenden. Patienten mit depressiven Störungen

gehören in die Behandlung eines Arztes. Daher unterliegen wirksam

dosierte Fertigarzneimittel mit Johanniskraut-Trockenextrakt der

ärztlichen Verschreibungspflicht. 

Am wohltuendsten ist es, wenn man sich an der Blütenpracht und -fülle

des Johanniskrautes im Juni erfreut, sich die Sagen vom Teufel und dem

Johanniskraut erzählen lässt.