Einem Spion auf der Spur

Was macht die Wanderung aus, was ist das Besondere?

 

Einfelder und Bordesholmer See bilden eine nicht nur geologisch und naturkundlich höchst interessante Einheit, die zu erwandern sich lohnt, es bieten sich auch Möglichkeiten, auf die Spur schillernder, vielfältig tätiger Persönlichkeiten der Geschichte zu geraten.

Wegbeschreibung

 

Vom Bahnhof Einfeld gehen wir ein kurzes Wegstück auf der L 318 in Richtung Kiel, nehmen den ersten Fußweg links ab zum Einfelder See. Der Einfelder See bildet die Wasserscheide zwischen Nordsee über Aalbek und Stör und Ostsee, und schon seit vielen Jahrhunderten haben geschäftstüchtige Könige, Herzöge, Händler, Reeder sich darüber Gedanken gemacht, wie man die Geschäftsbeziehungen von Dänemark, Schleswig und Holstein mit dem Nordsee- und Ostseeraum besser verknüpfen kann. Hier begegnen wir der ersten schillernden Figur der Geschichte, dem Großunternehmer und Finanzier Heinrich Carl Schimmelmann, der sich sehr für eine Kanalverbindung zwischen Nordsee und Ostsee über den Verlauf der Stör, * der Aalbek, Einfelder und Bordesholmer See, Eider eingesetzt hat. Schimmelmann unterstützte ebenfalls eine klug geführte Neutralitätspolitik Dänemarks, die seinem Handel nutzte.  

Am Einfelder See genießen wir den weiten Blick über den See, wandern rechts ab  in Richtung Norden. Unterwegs begegnen uns die Steinskulpturen renommierter Künstler als Teil der Einfelder Sehpunkte. Nach etwa 3 km Uferweg erreichen wir den Ort Mühbrook. Der Ortsname bezieht sich vielleicht auf eine überlieferte Sage:  Als die sterblichen Überreste des Heiligen Vicelin von Neumünster in die Klosterkirche von Bordesholm gebracht wurden, sank der Wagen im sumpfigen Bruchwald (brook) ein. Trotz aller Mühe ließ sich der Karren nicht bewegen. Erst als die Mönche ein Gelübde zum Bau eines Armenhauses abgelegt hatten, konnten sie die Gebeine Vicelins nach Bordesholm bringen. Die Gebeine Vicelins sind seit der Reformationszeit verloren gegangen, in der Klosterkirche hat man sie bisher nicht gefunden. Am Hotel und Restaurant Seeblick nehmen wir den Weg nahezu parallel zum Steingraben in Richtung Bordesholmer See, können uns vorstellen, dass man hier einen Kanaldurchstich zum Bordesholmer See hätte graben können. Der Weg führt an einem kleineren, libellenreichen See vorbei, bis wir auf das Südende des Bordesholmer Sees treffen. Bordesholmer See und Einfelder See sind eiszeitliche Reste einer Schmelzwasserrinne, die bei Einfeld in den Einfelder Sander mündete. Am Südende des Bordesholmer Sees halten wir uns rechts, folgen immer dem Seeuferweg mit oft herrlichem Blick auf die hoch über dem See gelegene 

Klosterkirche von Bordesholm. Im Ortsteil Eiderstede soll Hans Brüggemann seine Werkstatt geführt haben, in der er den 1666 in den Schleswiger Dom überführten, 1521 fertig gestellten, für den neu ausgestatteten Chor der Bordesholmer Stiftskirche in Auftrag gegebenen Bordesholmer Altar in sechsjähriger Arbeit vollendet hat. Wir setzen unseren Weg, immer dem Ufer des Bordesholmer Sees folgend, fort. Vor dem Anstieg zur Klosterkirche nehmen wir den Weg durch den Park am Seeufer, steigen dann nach etwa 100 m den kopfsteingepflasterten Weg rechts ab hinauf und gelangen an die beeindruckende, mächtige Bordesholmer Linde am Lindenplatz. Die Linde galt als Marienbaum, unter ihr wurde Gericht gehalten, wurden Feste veranstaltet, ihr Holz galt als gesegnet, ihre Blüten werden noch heute als Arzneimittel verwendet. Unser Weg führt uns von der Linde in die Kirche des ehemaligen Augustiner Chorherren-Stiftes.  

Eindrucksvoll steht im Mittelschiff der Bronzetumba des Herzogpaares Friedrich von Gottorf († 1533) und der Anna v. Brandenburg († 1514). Nur Anna wurde hier bestattet, Friedrich als späterer König von Dänemark 1533 im Schleswiger Dom. In der ehemaligen Sakristei steht der Marmorsarkophag von Herzog Carl Friedrich v. Gottorf, da Bordesholm nach 1721 Grablege der aus Schleswig vertriebenen Gottorfer Herzöge wurde. Herzog Carl Friedrich gilt als Stammvater des russischen Zarenhauses der Romanoff. Sein Sohn Carl Peter Ulrich aus der Ehe mit der Tochter Zar Peter I., Anna Petrowna, galt ab 1742 als Thronfolger in Russland. In seiner Regierungszeit vom 17.12.1761 bis zum 28. Juni 1762 erließ Carl Peter Ulrich als Peter III. 220 Gesetze und hatte wohl tiefgreifende Reformen geplant. Als Zar von Russland und Herzog von Gottorf mutmaßte man selbstverständlich, dass er auch plante, sich von Dänemark die seit 1713 verloren gegangenen Gebiete des Hauses Gottorf zu erobern, und das an der Seite von Preußen. Im Juni 1761 kam der ehemalige Amtsvorsteher von Neumünster Caspar von Saldern mit finanzieller Unterstützung des Reeders Friedrich Wilhelm Otte als „Kaufmann unter falschem Namen“ an den Zarenhof, um die Wahrscheinlichkeit eines Krieges gegen Dänemark auszuloten, wenn möglich zu verhindern. Sehr schnell hat er sich als „Landeskind“ der Gottorfer das Vertrauen und die Gunst  Peter III., sehr schnell wohl auch das der Katharina II. erworben. Schon 1762 war er russischer Bevollmächtigter auf der Berliner Friedenskonferenz, denn Russland stieg als Verbündeter Preußens aus dem Bündnis gegen Preußen im siebenjährigen Krieg aus. Am 29. Juni 1762 wurde Peter III. festgesetzt. Er unterschrieb wahrscheinlich den Thronverzicht zugunsten seines Sohnes Paul I. (1796-1801) unter der Regentschaft Katharinas bis zur Volljährigkeit und freies Geleit nach Kiel. Am 7. Juli 1762 wurde Peter III. ermordet; offiziell verstarb er an einer „hämorrhoidalen Kolik“. Caspar von Saldern stieg zum Staatsmann am russisch-gottorfischen Hof  Katharina II. auf. Katharina „brauchte“ Dänemark in ihrer Politik gegen England und Polen, aber auch gegen die Türkei. Caspar von Saldern verbrachte seine letzten Lebensjahre auf dem 1752 von ihm erworbenen Gut Schierensee. Seine Ruhestätte befindet sich in einer Seitenkapelle der Bordesholmer Klosterkirche, angrenzend an die Ruhestätte des Vaters von Peter III. in der Sakristei. Der Sohn von Saldern hatte es als Amtsvorsteher von Bordesholm ermöglicht.  

Beeindruckt von der lebendigen Geschichte Schleswig-Holsteins, von den Mehrfachintrigen dänischer, russischer und gottorfischer Diplomatie setzen wir unseren Weg rund um den Bordesholmer See fort, genießen das bewaldete Ufer des Sees, beobachten die Tauchgänge der Haubentaucher. Aufmerksamkeit ist gefordert, um nicht den bereits gegangenen Weg nach Mühbrook zu verpassen.  In Mühbrook setzen wir unseren Weg auf der westlichen Uferseite des Einfelder Sees fort, achten auf die sehenswerten „Sehpunkte“ zur Siedlungsgeschichte Mühbrooks, zu den Staurechten, die den Betrieb der Schmalstedter Mühle beeinflusst haben, zu den Wasserständen und „Hungersteinen“ des Einfelder Sees. Die neu angelegten und alten Streuobstwiesen auf unserem Weg sind zur Blütezeit, aber auch fruchttragend, eine Augenweide. Interessant sind auch die Angaben der Besucher-Informationstafel zum NSG Einfelder See. In eine Zeit von mehr als 1000 Jahren, in das 9. oder 10. Jahrhundert führt uns ein Rundgang auf dem Wall oder durch die zur Seeseite offene Wallringanlage,* die „Margarethenschanze“. Diese Anlage, eine Anlage am Zusammenfluss von Schwale und Stör bei Neumünster, die Anlagen von Willenscharen an der Stör und schließlich Itzehoe bildeten einen „Limes Saxoniae“. Auch der Bogen von der eiszeitlichen Entstehungsgeschichte des Einfelder Sees und des benachbarten Dosenmoors über die Siedlungsgeschichte Einfelds bis zur modernen Architektur eines Wohnhauses im Bauhaus-Stil am Seeufer lässt den Weg auf den Spuren schleswig-holsteinischer und europäischer Geschichte nicht langweilig werden.  

In Einfeld, am Bahnhof, endet die Wanderung, die zu jeder Jahreszeit reizvoll, informativ und nicht überfordernd ist.

Bundesland:    Schleswig–Holstein

 

Region:     Landkreis Rendsburg-Eckernförde      

 

AktivRegion Mittelholstein

 

Wegezuordnung:   keine   

 

Start- und Zielpunkt:  

Bahnhof Einfeld      

24536 Einfeld/Neumünster   

 

Verkehrsanbindung Auto:

Von der Autobahn A 215 Abfahrt Blumenthal  nehmen, von dort auf der L 318 in südlicher  Richtung bis Bahnhof Einfeld  

 

Verkehrsanbindung ÖPNV:

Von Kiel Hbf. oder von Neumünster kommend  mit RB bis Einfeld   

 

Rund- oder Streckenwanderung:  Rundwanderung

 

Länge:     15 km

 

Geschätzte Dauer:   5 Stunden    

 

Markierungszeichen:  keine   

 

Höhenunterschied:  

Tiefster Punkt:  26 m  

Höchster Punkt:  35 m    

 

Anforderungen:

steile Passagen:   keine

durchgehend kinderwagengerecht:    ja

barrierefrei:    weitgehend ja  

 

Besonderer  Routencharakter:  

Naturwanderung      

Kulturwanderung      

Jugendwanderung  

 

Begehbarkeit:    ganzjährig

  

Sehenswürdigkeiten:  

1.   Skulpturenpark Einfelder See      

2.   „Einfelder Sehpunkte“      

3.   Klosterkirche Bordesholm      

4.   Bordesholmer Linde      

5.   KD Margarethenschanze   

 

Einkehrmöglichkeiten:  

Schanze am See      

Einfelder Schanze 96      

24536 Neumünster      

Tel. 04321-959580      

e-mail: info@schanzeamsee.de      

Einkehr      

 

Hotel und Restaurant      

Seeblick      

Dorfstraße 18      

24582 Mühbrook      

Tel. 04322-699090      

www.seeblick-engel.de      

Übernachtung / Einkehr  

                                                               

Ristorante Pizzeria      

Villa Coloniale      

Lindenplatz 6      

24582 Bordesholm      

Tel. 04322-886744      

www.villacoloniale.de   

 

Hinweis auf Karten:

Name: Wander- und Freizeitkarte Nr. 8       Kiel - Plön  1 : 50000

Herausgeber:    Landesvermessungsamt Schleswig – Holstein       978-3-89130-288-0   

 

Hinweis auf Wanderliteratur:

Titel:      Die Schleswig-Holsteiner

Verlag:     Wachholtz - Verlag ISBN      3-529-02600-X

Titel:      Peter III. Der Prinz von Holstein

Verlag:     Sutton Verlag ISBN      3-89702-788-7

Titel:      Schöne Kirchen in Schleswig-Holstein

Verlag:     Wachholtz - Verlag ISBN      3-529-02847-9

Titel:      Die Fürsten des Landes

Verlag:     Wachholtz - Verlag ISBN      978-3-529-02606-5

Titel:      Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler

Verlag:     Deutscher Kunstverlag ISBN       3-422-03033-6

Titel:      Einfelder Sehpunkte Hrsg:      Gemeinde Mühbrook und Stadt Neumünster    

 

Bilder:     Kai Zarp †

 

Kartenskizze:    Kai Zarp †

 

Ansprechpartner:  

Interessengemeinschaft  “Wanderbares Schleswig–Holstein“  

von Heyer, Wolfgang  

Kuhlacker 32a

24145 Kiel  

Tel. 0431-713495  

www.wanderbares-schleswig-holstein.de   

 

Tourismusorganisation:  

Tourismusverein        

Bordesholmer Land e.V.      

Mühlenstraße 2      

24582 Bordesholm      

Tel. 0700-14582001

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